• Julia

Von Polarlichtern und Gletschern in Island

Aktualisiert: 29. Okt 2018

Ganz weit oben auf meiner Bucketlist war seit vielen Jahren das Polarlicht einmal Iive zu erleben. Island, das großartige Land aus Feuer und Eis bot sich dafür mehr als perfekt an. Es sollte unser erster richtig kalter aber dafür eindrucksvollster Urlaub werden...


Seit dem ich den wunderbaren Reisevortrag von Stefan Erdmann gesehen hatte, war es um mich geschehen - ich musste einfach nach Island reisen! Mit der Airline Germania flogen wir am 19.September 2018 glücklicherweise direkt ab Dresden für unschlagbare 120 Euro inkl. Gepäck pro Person nach Keflavik (bei Reykjavik). Hin- und Rückflug gingen über Nacht und waren super klasse. Bereits vor einem halben Jahr habe ich alle Gasthäuser und Hotels im Voraus über Booking gebucht und das war eine goldrichtige Entscheidung. Mein Plan war zunächst in 7 Tagen die gesamte Insel einmal über die Ringstraße zu umrunden, doch davon rieten mir in diversen Island Foren einige Menschen ab. Es wäre einfach zu wenig Zeit und zu viele Stunden im Auto. Also entschieden wir uns dafür, nur auf dem Golden Circle und bis Höfn im Osten Islands zu fahren.


Bilderbuch Landschaften

Erstes Ziel nach der Ankunft am Flughafen in Keflavik war die Mietwagen Zentrale von Icerental 4x4. Hier haben wir unseren Suzuki Jimny in Empfang genommen. 20 Jahre fegt der bestimmt schon über die Insel und auch uns hat das gute Stück in dieser Woche nicht im Stich gelassen. 500 Euro haben wir inklusive aller Versicherungen (es gibt sogar eine Versicherung für Schäden durch Vulkanasche) dafür ausgegeben. Nach unserer ersten Nacht im Gasthaus Stapakot in Keflavik und einem Brunch mitten im entspannten Reykjavik, ging es für uns direkt on the Road in Richtung Keldur. Zwei Stunden fuhren wir durch wunderschöne Vulkanlandschaften, vorbei an übel riechenden heißen Quellen. Schon nach wenigen Fahrminuten waren wir hochgradig fasziniert von Island. Wir konnten schon jetzt nicht glauben, wie weitläufig alles ist und wie irre eine Landschaft aussehen kann. Direkt von der Straße aus sahen wir bereits den Seljalandsfoss. Es ist schon genial, wenn man die Sehenswürdigkeiten so nah an der Landstraße auf dem Tablett serviert bekommt, denke ich und freue mich unheimlich auf den weltberühmten Wasserfall, hinter dem man entlang gehen kann! Nach wenigen Minuten sind wir ziemlich nass, doch das interessiert uns in dem Moment herzlich wenig. Wir wollen einmal im Leben hinter einem Wasserfall stehen und die geballte Kraft von Wasser spüren!

Das Hotel Selid in Keldur lag ziemlich weit abseits der Ringstraße. Um dort hinzugelangen, fuhren wir einige Zeit Mutterseelenallein auf Schotterstraßen und begegnet über Stunden nur Schafen und wilden Island-Pferden. Was wir in Keldur fanden, war einfach nur die pure Ruhe. An solch ruhigen Orten habe ich immer das Gefühl, erst einmal wieder richtig bei mir anzukommen. Direkt nach unserer Ankunft stiegen wir in unseren heißen Jaccuzzi und haben uns einmal tiefgründig entspannt. Glücklicherweise kochen die Hausbesitzer am Abend für alle Gäste, denn man müsste sonst circa 30 km fahren um Zivilisation und Restaurants zu finden.

Nach dieser wunderbar erholsamen Nacht, fuhren wir auf der Ringstraße direkt nach

Vik y Myrdal. Dies war der Ort, der mich am meisten interessierte und auf den ich wegen der schwarzen Strände unglaublich gespannt war. Und tatsächlich wurden meine Erwartungen nicht enttäuscht. Zudem hatten wir bereits den zweiten Tag in Folge großes Glück mit dem Wetter, denn die Sonne strahlte bei circa 7 Grad. Der Wind war zwar außergewöhnlich stark, doch wir schätzten uns sehr glücklich nach den vielen Aussagen, die wir zum isländischen Wetter zuvor gehört hatten. In Vik erwartete uns ein tief schwarzer, weicher Sand und ein fantastischer Ausblick auf das weite Meer. Die Wolkendecke brach just in dem Moment unserer Ankunft auf und zauberte ein sagenhaftes Panorama direkt vor unseren Augen.




An diesem Strand findet man auch die besonderen Basalt Säulen, die an vielen Stellen Islands das Landschaftsbild prägen. Sie sehen so außergewöhnlich aus und beim Anblick fragte ich mich, wie die Natur das nur gemacht hat? Sie schienen einer Orgel gleich und perfekt angeordnet. Mich beeindruckten diese Formationen sehr und die umliegenden Felsen ebenso. Ja und natürlich wurde auch hier geheiratet und für reichlich für Instagram posiert. Wem ist es an diesem Ort aber auch zu verdenken?



Polarlichtträume

Ich träumte ja nun schon seit vielen Jahren davon, einmal das Nordlicht zu sehen. Seit Wochen zeigte meine Instagram Feed nur Nordlichter an und ich war wirklich unglaublich heiß darauf es zu sehen. Auch zwei Apps lud ich von Deutschland aus schon herunter und schaute mir jeden Abend die KPI Prognosen dazu an. Schon im Flugzeug konnte ich kein Auge zumachen, aus Angst dass ich es vielleicht verpassen könnte. Es war sogar wolkenlos als wir in der Luft waren, doch ich sah absolut nichts! In den beiden ersten Nächten auf Island hatte es leider auch noch nicht sein sollen. Also stellte ich mich am Abend des 21.Septembers in Vik in unserem Puffin Hotel ans Fenster und sprach einmal laut mein Polarlicht-Gebet! Es klang ungefähr so: "Liebes Universum, da ich ja nun extra so weit gereist bin und wir auch nur noch 4 Nächte hier auf der Insel haben und es ist mir wirklich wichtig ist mit dem Polarlicht, kannst du bitte heute Abend etwas für mich tun? Ich habe ja auch extra ein sehr hochwertiges Stativ dafür gekauft, mich stundenlang über die besten Kamera Einstellungen belesen und überhaupt wäre es wirklich grandios wenn es jetzt in Nacht Nr. 3 endlich klappen könnte mit mir und dem Licht" Dann legte ich mich ins Bett und stellte vorsichtshalber den Wecker auf 1 Uhr.


Noch vor meinem Weckerklingeln wurde ich von der Aurora App Benachrichtigung geweckt! Tot müde raffte ich mich auf und rannte zum Fenster. Ich konnte meinen Augen nicht trauen: denn es war endlich da!!! Sofort weckte ich aufgeregt Oli und nun schauten wir beide fasziniert aus dem Fenster: Aurora tanzte für uns am ganzen Nachthimmel! Ich war außer mir vor Freude und wie eine Verrückte sprang ich in meine Stiefel, zog meine dicke Jacke an und rannte mit meiner Kamera und dem Stativ auf den Parkplatz vor unserem Hotelzimmer. Nach einigen Minuten der Einstellung und voller Aufregung und zitternden Händen, zeigten sich auf meiner Kamera die ersten Aufnahmen - "der helle Wahnsinn" dachte ich!



Nach dieser wunderbaren aber geradezu schlaflosen Nacht, war ich wie beseelt und überglücklich, weil ich es endlich gesehen hatte: Das Polarlicht! Ein kleines Geheimnis will ich an dieser Stelle jedoch noch verraten. Mit dem bloßen Auge ist das Polarlicht nicht ganz so gut zu erkennen, wie auf meinen Fotos. Sie sind zwar kaum bearbeitet, daran liegt es nicht, doch viele Menschen sind ja auch etwas "nachtblind" oder können grüne Töne nicht so gut erkennen. Erst durch die Kameraaufnahmen werden die Nordlichter so richtig sichtbar. Insofern war auch ich zunächst überrascht, dass die Lichter in der Realität nicht so intensiv waren, wie ich es mir erhofft hatte. Doch umso schöner waren natürlich diese tollen Fotos. Meine ganze Vorbereitung hatte sich also mehr als gelohnt...In der darauffolgenden Nacht waren die Polarlichter noch eine Stufe intensiver und ich konnte sogar ein Foto machen, auf dem ich zusammen mit meinem geliebten Polarlicht zu sehen bin! An diesem Abend kamen neben grünen Lichtern sogar ein paar lilafarbene hindurch und ich war unglaublich dankbar, dass ich das erleben durfte!



Eiskalte Gletscher

Bevor wir uns am nächsten Morgen auf den etwas weiteren Weg nach Höfn machten, stand die berühmte Gletscher Lagune Jökulsárlón auf unserem Plan. So viele bezaubernde Bilder hatte ich von dieser Lagune schon gesehen, dass ich unglaublich gespannt war auf diesen Tag! Von der Straße aus war dieses Mal noch gar nichts von dieser Sehenswürdigkeit zu erkennen, nur Google Maps leitete uns nah an den "Place to be". Wir erklommen eine kleine Anhöhe und dahinter verbarg sich diese Schönheit aus Eis! Wow - so etwas hatten wir noch nie zuvor gesehen... Große Brocken Eis lösten sich hier von einer Gletscherzunge ab und landeten in kleineren Stücken in einer Lagune. Ein absolut sehenswerter Ort!






Berg Highlight und wilde Pferde

In den Ort Höfn wollte ich unbedingt fahren, weil es in der Nähe des wunderbaren Bergmassives von Vestrahorn liegt. Übernachtet haben wir in Höfn im Old Airline Guesthouse, was einfach wunderbar war! Natürlich wird man auch hier gut zur Kasse gebeten, um dieses schöne Stück Natur sehen zu können. Nach einer kurzen Fahrt von Höfn aus, waren wir in dem kleinen Nationalpark angekommen. Was uns hier erwartetet kann ich gar nicht recht beschreiben. Es war schlichtweg atemberaubend. Wie schon die vergangenen Tage, hatte wir großes Glück mit dem Wetter und konnten so eine herrliche Sicht auf Vestrahorn genießen. Überall im Gelände liefen wilde Pferde umher und plötzlich zeigte sich sogar ein kleines Fohlen, welches dann nur 10 Meter vor uns von seiner Mama gesäugt wurde... das war einfach wunderschön! Das schroffe Bergmassiv spiegelte sich im Wasser und die Lichtstimmung an diesem Nachmittag war einfach magisch.






Die bisherigen Tage auf Island waren bisher mehr als überwältigend für uns und wir wussten nicht, was das bereits Erlebte noch hätten toppen können. Da wussten wir jedoch nicht, was uns noch erwarten würde... Wir machten uns also vom östlichsten Punkt, den wir anfahren wollten, langsam zurück in Richtung Golden Circle. Diesen hatten wir bisher noch nicht besucht und schließlich wartete dort noch ein weiteres großes Abenteuer auf uns! Auf dem Weg zurück kamen wir entlang der Ringstraße noch an einigen atemberaubenden Plätzen vorbei. Wir besuchten den Kerid Krater, der mit türkisem Wasser gefüllt ist und begaben uns einmal in die weiten Lavafelder, die mich etwas an Schimmel erinnerten. Island war einfach unfassbar abwechslungsreich. Beinah jede Minute sahen wir neuartige Formationen oder Erduntergründe. Um sich alles rund um den Golden Circle ansehen zu können, liegt die wunderschöne Unterkunft The White House ganz zentral. Es war auf der gesamten Reise unsere beste Unterkunft und ich kann die Hausbesitzer von ganzem Herzen empfehlen.



Schwimmen zwischen den Kontinenten

Ich schrieb ja bereits, dass zum Ende unserer Reise noch ein großes Abenteuer auf uns warten würde. Ich hatte uns mal wieder etwas ganz Besonderes rausgesucht und mein Mann konnte kaum glauben, was ich diese Mal mit ihm vor hatte. Im Thingvellir Nationalpark, inmitten des Golden Circle, ist es möglich zwischen der Eurasischen und der Nordamerikanischen Kontinentalplatte zu tauchen und schnorcheln. Dort sollte es das weltweit klarste Wasser mit bis zu 120 m Sichtweite geben. Die Bilder die ich im Internet dazu fand haben mich sofort begeistert und ich wollte unbedingt wissen, wie es sein würde in 2 Grad kaltem Gletscherwasser zu schwimmen. Also buchte ich über Dive.is unser nächstes Abenteuer! 11 Uhr Mittags begann unsere einmalige Tour mit Tanja, einer erfahrenen Taucherin.


Das wichtigste, damit wir nicht wie einige Taucher vor uns im Wasser erfrieren würden, war das korrekte Anziehen des Drysuites. Unter ihm trugen wir mehrere Schichten Kleidung und dicke Socken sowie einen Warmanzug. Der Drysuite selbst war recht sperrig und schwer und an Handgelenken und Hals unfassbar eng. So eng, dass meine Hände bereits nach einigen Minuten weiß wurden und ich nur Luft bekam, wenn ich meinen Kopf etwas überstreckt hielt. Wir hatten nicht geglaubt, dass bereits das Anziehen ein derartiges Abenteuer werden würde. Nachdem Tanja und circa 40 Minuten alles über das Verhalten unter Wasser und unsere Schwimmroute erklärt hatte, gingen wir endlich zum Eingang der Silfra-Spalte...


Als wir wie dicke Pinguine in das Wasser stampften war ich nun doch sehr aufgeregt. Ich wusste, dass Hände, Haare und mein Gesicht nass werden würden und nun überkam mich eine leichte Anspannung, ob ich da unten nicht doch ganz schön frieren würde. Anders als erwartet, war es jedoch tatsächlich nur angenehm kühl und durchaus auszuhalten. Und so ließen wir uns einfach gleiten und schauten uns einmal die Kontinente von unten an...




Das Wasser war einfach unfassbar klar und tief blau. Wir konnten es selbst kaum glauben. Rechts und links neben uns lagen schroffe Jahrtausende alte Felsen, die von glibberigen neongrünen Algen bedeckt waren. Fische gab es natürlich bei der Wassertemperatur nicht. Doch die Lagune war auch so atemberaubend genug und nach 25 Minuten war uns dann doch auch sehr kalt und wir waren froh, wieder an Land gehen zu können!


Damit war unser großartiges Abenteuer beendet und wir werden es als etwas ganz Besonderes in Erinnerung behalten. In diesen Momenten, wo ich durch das "Erdinnere" geschwommen bin, wurde mir wieder einmal mehr bewusst, wie fantastisch unsere Erde ist und dass wir einfach alles tun sollten, um diese Schönheit zu bewahren. Mit diesen tollen Eindrücken fuhren wir für unsere letzte Nacht auf Island nach Selfoss und kehrten dort im Lambastadir Guesthouse ein. Insgesamt haben wir damit 7 Nächte in 6 verschiedenen Gasthäusern verbracht und dafür zu zweit mit Frühstück circa 1000€ bezahlt. Geführte Rundreisen sind um einiges preisintensiver, insofern kann ich diese Art zu reisen sehr empfehlen. Die Streckenabschnitte waren am Tag steht gut zu erreichen und wir waren nie zu lange im Auto unterwegs. Am letzten Tag machten wir noch einmal einen kurzen Abstecher nach Reykjavik. Ich mochte die Stadt sehr, sie ist so unglaublich tiefenentspannt. Überall bekommt man einen Parkplatz und super gutes Essen mit Blick auf den Hafen. Wir haben auch in einem der zahlreichen Cafés einfach mal die Seele baumeln lassen...

Mit mehr als 1000 Fotos und unzähligen Geschichten und Erinnerungen wird unsere Island Reise immer unvergessen bleiben.


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© Julia Funke 2020