• Julia

Meine Tipps für ein Wochenende in Prag

Aktualisiert: 9. Juni 2018

Ich bin für zwei Tage unterwegs in Prag- der goldenen Stadt! Mit dem FlixBus aus Dresden bin ich nach zwei Stunden Busfahrt für gerade mal 13€ hier her gekommen. Entspannter geht es nicht. Zwei Tage vorher online gebucht, mit Paypal bezahlt, Tickets ausgedruckt und los ging es auch schon. Der Bus war pünktlich, nicht überfüllt und ich habe zwei glückliche Reisende aus Afrika kennengelernt, die so viel über Deutschland von mir wissen wollten, dass ich kurzerhand mein Englisch wieder auf Vordermann gebracht habe und mir die Busfahrt noch angenehmer vorkam. Ich empfehle im FlixBus unbedingt die Plätze oben in der „Front Row“, (es sei denn ihr leidet unter Reiseübelkeit) denn die Sicht von hier ist einfach grandios. Und bitte nicht den Reisepass oder Ausweis vergessen- die Polizei scheint Flixbusse zu mögen und die Kontrollen sind quasi vorprogrammiert.




Besuch bei den 12 Aposteln


Nun habe ich heute die Stadt bei schönstem Wetter erkundet und mal wieder festgestellt welch schöne Metropole in direkter Nachbarschaft von Dresden liegt. Prag hat so unglaublich viel zu bieten und ist unfassbar schön und vielfältig. Begonnen habe ich meinen Trip am Wenzelsplatz- einem perfekten Ausgangspunkt für eine schöne Tour zu Fuß durch die Stadt an der Moldau. Vorbei an vielen hübschen Geschäften, die ich natürlich auch nicht unbesichtigt ließ, lief ich zunächst zum Altstädter Ring und schaute mir das Spektakel vor dem Rathaus an, als sich Punkt 12:00 Uhr eine große Menschenmenge vor der astronomischen Uhr (tschechisch Orloj) versammelt hatte.



Die Prager Rathausuhr ist eine der weltweit bekanntesten astronomischen Uhren und stammt aus dem Jahr 1410. In den kommenden Jahren wurde die Uhr Stück für Stück erweitert, es kamen die Apostel hinzu und sie wurde häufig repariert. Heute zeigt sie unter anderem die Bewegung der verschiedenen Himmelskörper sowie die mitteleuropäische und die böhmische Zeit an und sie dient als ein Kalender.




Zu jeder vollen Stunde kommen pünktlich zum Glockenschlag die 12 Apostel zum Vorschein. Nun ja, die Apostel sind natürlich ganz klein und gucken ja auch nur kurz zur Türe raus, aber sie machen das immerhin seit 1860! Die gespannten Gesichter der Touristen aus aller Welt schauten nach dem kurzen Intermezzo der heiligen Herren allerdings fast enttäuscht! Es wurde wohl mit mehr Präsenz der Heiligen gerechnet?! Dennoch erhielt das Schauspiel einen spontanen Beifall und der ganze Platz lebte so richtig auf und alle jubelten! Ich bekam sofort Gänsehaut.

Nun wollte ich aber hoch hinaus und mir Prag von oben ansehen. Der Blick vom Rathaus über die gesamte Stadt ist unbeschreiblich und gehört für mich zu einem absoluten Muss in Prag. Für umgerechnet 5€ kann man den Turm besichtigen und man auch ganz entspannt mit dem Aufzug nach oben fahren und diesen sagenhaften Blick genießen.




Der schönste Blick auf die Moldau


Tief beeindruckt durch den gigantischen Ausblick auf Prag, ging meine Tour weiter zur berühmten Karlsbrücke. Diese lädt nach den bereits zurückgelegten Kilometern zum Verweilen ein, denn der Blick auf die Moldau und die Prager Burg ist einmalig. Aber auch meiner liebsten Beachäftigung- dem people watching, konnte ich hier entspannt nachgehen. Die vielen kleinen Stände und Künstler reihen sich an einander und ergeben ein schönes Bild. Empfohlen wurde mir auch eine Bootstour, die auf der Brücke überall angeboten werden, ich wollte jedoch weiterhin zu Fuß gehen und werde bestimmt auch nicht das letzte Mal hier sein.

Wenn in Prag der kleine Süßigkeiten-Hunger aufkommt, dann sollte man unbedingt das unaussprechliche „Trdelnik“, eine Art Baumstriezel probieren. Trdelnik ist die traditionellste Süßspeise Tschechiens, welches über Kohlen gebacken und anschließend in Zimt und Zucker gewälzt wird- einfach köstlich und schön süß! Den leckersten habe ich direkt an der Karlsbrücke in einer kleinen Patisserie gegessen.




Tief beeindruckt


Unweit von der Prager Burg entfernt liegt das alte Kloster und beherbergt eines der ältesten Archive Europas. Der theologische Saal wurde 1671-1679 erbaut, hier befinden sich über 20.000 Bände religiösen Inhalts. Der philosophische Saal liegt gleich nebenan und wurde 1783 gebaut, weil die erste Bibliothek zu klein wurde. Er beherbergt mehr als 50.000 historische Bände. Über den Regalen sieht man vergoldete Holzschnitzereien und monumentale Deckengemälde die innerhalb eines halben Jahres von nur zwei Malern gefertigt wurden. Einfach unfassbar erscheinen diese alten Räumlichkeiten. Mich hat diese Klosterbibliothek tief beeindruckt. Dieses antike Archiv hat schon seit jeher viele bekannte Besucher angelockt, so besuchte schon 1812 Napoleons Frau Marie Louise die Räumlichkeiten und ein Teil von James Bonds Casino Royal sowie Sean Connery drehte im philosophischen Saal „Die Liga der außergewöhnlichen Gentleman“. Also ein wirklich geschichtsträchtiger Ort, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Übrigens sind hier vergleichsweise nur wenige Touristen zu finden, es ist also noch ein kleiner Geheimtipp! Außerhalb der Bibliothek gibt es eine sehr alte Klostereigene Brauerei und noch viele weitere schöne Dinge zu besichtigen.




Kaffee am Altstädter Ring


Nachdem ich nun circa 7 Kilometer Fußmarsch durch die Stadt hinauf zur Prager Burg hinter mir hatte, bin ich nun mit dem Taxi noch einmal zurück mitten in den Trubel des Altstädter Rings gefahren und habe die vielen wunderschönen Häuser der goldenen Stadt einfach genossen und auf mich wirken lassen. Da Prag im zweiten Weltkrieg weitesgehend von Luftangriffen verschont geblieben ist, sind die Bauten noch sehr gut erhalten und verglichen mit Bildern aus dem 19 Jahrhundert nahezu unverädert. Der Altstädter Ring mit seinen vielen Cafés lädt zum Verweilen ein, denn es ist ein Platz der niemals schläft, weil garantiert immer ein Pantomimiker oder ein Musiker die zahlreichen Besucher unterhält.



Hotel am Stadtrand von Prag


Um viel von Prag sehen zu können, empfehle ich ein oder zwei Nächte hier zu übernachten. Direkt in der Stadt sind die Unterkünfte natürlich etwas preisintensiver, daher habe ich mir dieses Mal ein wunderbares Hotel außerhalb der Stadt gebucht und war ausgesprochen froh über diese Wahl. Das Chateau St. Havel ist eine alte Burg direkt an einem kleinen See. Hier kann man sehr gut frühstücken (was für Prag nicht gerade die Regel ist) und in dem hoteleigenem Restaurant auch sehr gut zu Abend essen. Zudem bietet das Hotel einen kostenlosen Shuttleservice (sogar mit WiFi) direkt zum Wenzelsplatz an. Für diese zwei Übernachtungen mit Frühstück habe ich im Doppelzimmer gerade einmal 120€ bezahlt. Wer abends nach den vielen Kilometern Stadtmarathon müde Beine hat, kann sich noch in den Whirpool oder die Sauna legen. Aus meiner Sicht ein rundum gelungener Kurzurlaub – das Gute liegt eben manchmal so nah!


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